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Bad Idea – Patrick Chowinski

 

 Was ist eine schlechte Idee oder ein Fehler?

Ein Fehler ist die Abweichung von einem vorgegebenen Standard oder einer irrtümlichen Entscheidung. Hierbei stellt sich die Frage, ob eine schlechte Idee oder ein Fehler automatisch schlecht sein muss oder schlechte Konsequenzen mit sich zieht? 

Für die persönliche Themenfindung des Projektes, begann ich mit einer Reise in die Vergangenheit und der Auseinandersetzung mit meinem leiblichen Vater. Ich wählte dies, da ich verstehen und akzeptieren wollte, wieso Fehler meines Vaters dazu führten, dass er letztendlich ins Gefängnis musste. Da kein Kontakt zu meinem Vater besteht, kam mir die Idee, eine Brieffreundschaft mit einem Inhaftierten einzugehen, um mit ihm über seine Geschichte zu sprechen und eventuell Parallelen festzustellen. In den Briefen unterhalten wir uns über unseren Alltag, erzählen aus unserer jeweilige Vergangenheit und versuchen uns dabei Ratschläge und neue Ansichten näherzubringen. Ich möchte dadurch verstehen, was es in seinem Leben für Vorgeschichten gab und welche Fehler er möglicherweise beging, die ihn in seine aktuelle Situation brachten. Wichtig hierbei war mir der Einblick in seine Gedankenwelt. Wie geht der Inhaftierte mit seinen Fehlern um? Bezeichnet er diese überhaupt als solche und erkennt diese auch rückblickend?

Die Person, mit der ich im Briefaustausch stehe, ist seit fünf Jahren im Gefängnis und muss noch ein weiteres Jahr dort absitzen. Er ist 57 Jahre alt und war 20 Jahre verheiratet. Den Name des Inhaftierten werde ich aus Respekt und dem Willen der Anonymität nicht erwähnen.

Von Brief zu Brief wird die Person, die hinter dem Inhaftierten steckt, greifbarer. Hierzu zeige ich unterschiedliche Fragmente des Gesichts des Inhaftierten, damit der Leser mehr Gefühl für die Person an sich bekommt und sich dadurch ein eigenes Bild schaffen kann. 

Um die Intimität und Sensibilität des Themas zu zeigen, entschied ich mich für das Medium Buch in einem kleinem Format (190x130mm). Zusätzlich wählte ich ein Asymmetrisches Raster, welches dem Briefcharakter Nahe kommt und dadurch auch Randnotizen auf der linken Spalte ermöglicht, wodurch die Gedankengänge des Verfassers deutlicher werden. Ebenso sind alle Markierungen, Einrahmungen und Unterstreichungen aus den Briefen übernommen. Des weiteren war es mir wichtig, sinnbildlich das Leben in einem Gefängnis darzustellen. Hierzu wählte ich ein recyceltes Papier mit einer gräulichen Farbe und einer rauen Textur bei der Haptik, welches die kalte raue Zelle und den tristen Alltag darstellen soll. Diese Eintönigkeit der Isolation habe ich stilistisch mit leeren Seiten untermalt, die metaphorisch für den „Blick gegen eine leer Zellenwand“ stehen. Ähnliche Gedanken verfolgte ich bei der Auswahl des Covers und der Fadenbindung des Buches. Das Cover trägt eine Inhaftierten Nummer, sowohl die Vorder-, als auch die Rückseite des Buches symbolisieren eine Betonwand, wodurch der Inhalt des Buches zwischen zwei Betonklötzen eingesperrt ist. Dieses Gefühl des „gefangen seins“ unterstreicht die Fadenbindung abermals. Als Schriftart verwendete ich die „Trade Gothic“ von Jackson Burke, eine sans serif mit untypischer Struktur und einer humanistischeren Wirkung, die durch einer nicht perfekten Geometrie naturell erscheint. Als Kontrast habe ich einige Passagen und bestimmte Sätze, die meines Erachtens wichtig erschienen, so hervorgehoben, wie ich es selbst beim Lesen wahrnahm. Um dabei eine klare Trennung zu schaffen, wählte ich hierfür die „Kyrial Pro“ von Oliver Gourvat.

Text und Projekt: Patrick Chowinsky
Seminar BAD IDEA mit Ulrike Brückner

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