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Narben – von Alina Brand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es heißt ja die Zeit heile alle Wunden, aber stimmt das? Oft bleibt doch etwas zurück.
Eine Narbe. In meinem Projekt für den Kurs „lost, found & collect“ habe ich versucht, mich sowohl mit den sichtbaren als auch den unsichtbaren Spuren vergangener Wunden zu beschäftigen.

Der Ursprung dieser Idee liegt zum Teil bei meinem Vater, der sich als Kleinkind einer schweren Operation unterziehen musste und durch den damaligen Umgang mit einer solchen Situation nicht nur sichtbare Spuren davongetragen hat. Zum Teil liegt er aber auch bei mir selbst, da auch ich viele kleine Male vergangener Taten auf meiner Haut trage.

Kaum jemand geht komplett umgezeichnet durchs Leben, ob es „nur“ der Sturz vom Fahrrad, ein Haushaltsunfall oder eine selbst zugefügte Verletzung war, was bleibt ist eine Erinnerung auf der Haut.
Schade ist bloß, dass eine Narbe oft die Idee des perfekten Schönheitsbildes stört und somit als auffällig und unangenehm empfunden wird, aber das ist nicht überall so.

In einigen Kulturkreisen wurde und wird zum Teil auch heute noch die Skarifizierung als schön empfunden. Warum nicht auch bei uns? Für meine Sammlung habe ich sowohl das persönliche Gespräch gesucht, als auch einen Aufruf über Twitter gestartet und war erstaunt, wie viele Leute sich gemeldet haben. Dabei habe ich die unterschiedlichsten Geschichten zu hören bekommen: von der Lust auf Käse, über den Sturz aus einem Fenster, bis hin zu einem Tumor, war alles dabei und ich war dann doch beeindruckt wie offen viele damit umgehen – vorausgesetzt es bleibt anonym.

Um ein wenig Ordnung in die vielen Informationen und Bilder zu bekommen, habe ich einen Fragebogen erstellt und die Befragten ihn ausfüllen lassen. So konnte ich später alle Geschichten in ihren eigenen Worten wiedergeben. Da Narben immer von einer Verletzung herrühren – ob behandelt oder unbehandelt – habe ich mich bei der Gestaltung meiner Sammlung an dem Aussehen von Arztakten orientiert. Sie besteht aus mehreren, für jeden „Fall“ eine, Akten, die, um die Monotonie der immer gleich aufgebauten Akten aufzulockern, von einzelnen Informations-Seiten unterbrochen werden. Innerhalb der einzelnen Aktenumschlägen findet man die Geschichte, wie es zu der Narbe kam, den Umgang mit ihr und Bilder dazu.

Bei meiner Schriftwahl habe ich auf den Klassiker Arial gesetzt, da er auf so ziemlich allen Computern vorhanden ist und somit oft in Praxen für Schriftstücke benutzt wird. Dazu verwende ich noch eine Typewriter-Schrift, hier der Cousine, wie sie auf ärztlichen Rezepten zu finden ist. Um die Medien Akte und Buch zu verbinden, habe ich mich für wechselnde Formate entschieden – Querformat für die Akten und Hochformat für die Informationsseiten – was dem Design eine gewisse Interaktivität und Dynamik verleiht.

Damit das Ganze noch mehr an eine Arzt-Akten-Sammlung erinnert, habe ich mich dafür entschieden, die Umschläge auf festerem Papier in den Farben Mintgrün und Rosa anzulegen, während der Inhalt zum einen Teil auf feinem 90g Papier und zum anderen Teil auf transparentem Papier gedruckt ist. Dies soll an die unterschiedlichen Unterlagen, unterschiedlichen Ursprungs, innerhalb einer Arztakte erinnern und dafür sorgen, dass man auch richtig drin blättern kann. Auch bei der Bindung habe ich mich an einem Aspekt der Narbe orientiert, so sind der Inhalt und der Umschlag durch eine einfache Naht verbunden, so wie auch Wunden oft genäht werden müssen. Die gesamte Sammlung wird durch Nieten zusammengehalten, die auch an eine Art des Wundverschluss erinnern sollen.

 

Projekt: Alina Brand, 4. Semester

Seminar: lost, found & collect, geleitet von Ulrike Brückner

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