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Parzellenplauderei – Vanessa Richter / 4. Semester

 

 

 

 

 

 

 

Kitschige Gartenzwerge, abgezirkelte Beete, Jägerzäune und spießige Kleingärtner, die ihre Rasenkanten mit Lineal nachmessen – so stellt man sich deutsche Schrebergärten im Ruhrgebiet vor. Aber ist dieses typische Klischee-Denken noch zeitgemäß? Oder konnten Schrebergärten und deren Pächter die vorherrschenden Vorurteile mittlerweile abstreifen?

Der Kleingarten ist ein eingezäuntes Stück Land als Garten, welches von Kleingartenvereinen an Mitglieder verpachtet wird. In der Regel befindet sich eine Laube auf jedem Grundstück einer Gartenanlage. Geregelt wird das Kleingartenleben in Deutschland durch das am 1. April 1983 in Kraft getretene Bundeskleingartengesetz (BKleingG), sowie durch die jeweilige Kleingartenordnung jeden Vereins. Hierbei ist auf die sogenannte „Drittelteilung“ zu achten: Mindestens ein Drittel Anbau von gärtnerischen Erzeugnissen (Salat, Gemüse, Kräuter, Obst), höchstens ein Drittel bauliche Nutzung (Laube, Gewächshaus, Wege, Zaun), sowie höchstens ein Drittel Erholungsnutzung (Rasen, Zierpflanzen).

Vorläufer der heutigen Kleingärten waren die sogenannten „Armengärten“, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine weitere Wurzel der Kleingartenbewegung geht auf die Idee des Leipziger Arztes Dr. Schreber zurück, welcher die Heranziehung von Kindern an die Natur in den Vordergrund stellte, die er aus volkspädagogischen Gründen förderte. Während des 1. Weltkriegs und der nachfolgenden Zeit erlangten die Gärten eine existenzsichernde Bedeutung.1931 folgte dann durch eine Verordnung des Reichspräsidenten die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose zur Deckung des Nahrungsbedarfes. Im Laufe der Zeit hat sich die Funktion von Kleingärten gewandelt und Schrebergärten dienen heutzutage zusätzlich der Erholung in der Natur und stellen Stadtbewohnern einen notwendigen Ausgleich zu den Mängeln im Wohnbereich und Wohnumfeld dar. So werden einerseits die Lebensverhältnisse eines jeden Kleingärtners durch ein Stück Natur verbessert und andererseits tragen die Gärten zur Begrünung und Auflockerung des städtischen Umfeldes bei, indem verschiedene Obst und Gemüsesorten angebaut werden. 

Das Seminarprojekt „Parzellen Plauderei“ beschäftigt sich mit verschiedenen Arten von Kleingärtnern und möchte die typischen Klischees abbauen. Entstanden sind sechs verschiedene A5-Hefte, die genauso individuell wie die Gärten, die Persönlichkeit der Pächter widerspiegelt. Die Hefte sind rechteckig, um den Parzellencharakter beizubehalten. Durch das angelegte Modulraster, in dem der Inhalt, sowie das Bildmaterial platziert wird, wird dies ebenfalls bestärkt. Die einzelne Seite wird als Beet angesehen, in dem auf unterschiedliche Art und Weise mal hier und da etwas wächst, aber trotzdem eine Ordnung eingehalten wird. An unterschiedlichen Stellen ist Schrift zu finden – wie im Garten, dort ist auch vieles zu entdecken und auf dem ersten Blick nicht zu sehen. Typografisch wird dies durch verschiedene Schriftarten, Schriftgrößen und Positionierungen unterstützt. Der typografische Weißraum steht stellvertretend für Bereiche, an denen nichts wächst. Die Farbigkeit der Schrift beschränkt sich auf Schwarz. Das Bildmaterial steht dem durch farbige und freundliche Gartensituationen entgegen, um das Klischee des grauen Spießertums zu verdrängen. 

Der Umschlag der Hefte ist vollflächig Grau gehalten, mit abgedrucktem Paragraphen aus dem Bundeskleingartengesetz. Was nach außen hin spießig und langweilig erscheint, macht beim Betreten / beim Öffnen Lust auf Garten, Natur und das eigene Gärtnern. Gedruckt wurden die Hefte auf offenem Naturpapier. Auf der Rückseite der Hefte klebt jeweils ein Sticker mit einer Illustration.

Zur Präsentation der Hefte dient eine Holzbox, die ein Hochbeet symbolisieren soll. Mit Kressesamen wird der Namen des Projektes „Parzellen Plauderei“ dargestellt. Im Inneren der Holzbox, der Deckel ist abnehmbar, befinden sich die sechs Hefte, sowie verschiedene Samentüten, die mit Sprüchen von Kleingärtnern beklebt wurden. Auf der Rückseite der Samentüten klebt ebenfalls ein Sticker, mit einer handschriftlichen Illustration, die jeder Person zuzuordnen ist.

Das Ergebnis dieses Projektes: Kleingärten sind bunt und vor allem international und längst nicht mehr so spießig. Dies kommt auch durch den Generationswechsel, da viele junge Menschen Interesse am Kleingärtnern gefunden haben. Schrebergärten sind Orte sozialer Begegnung und des nachbarschaftlichen Miteinanders geworden und spiegeln eine große Masse der Gesellschaft wieder. Auch wenn Gartenzwerge hier und da noch zu sehen sind.

 

Seminar: Ruhrpott / Ortsbeschreibungen
Vanessa Richter | 4. Semester

Thema: Schrebergärten im Ruhrgebiet

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