AUFBRUCH — Hafenamt Dortmund
Multidisziplinärerer Kurs an der FH Dortmund

Was bedeutet Aufbruch? Abschied oder Anfang? Veränderung, Bewegung, Unsicherheit – oder vielleicht die Möglichkeit, Bekanntes plötzlich mit anderen Augen zu sehen? Studierende der Fachhochschule Dortmund haben sich dieser Frage gestellt und das Alte Hafenamt Dortmund in einen außergewöhnlichen Ausstellungsort verwandelt. Unter dem Titel „AUFBRUCH“ treffen Fotografie, Film, Kommunikationsdesign sowie Objekt- und Raumdesign aufeinander – und auf ein Gebäude, das selbst wie kaum ein anderes von Vergangenheit, Wandel und Zukunft erzählt.

Das Alte Hafenamt am Sunderweg ist dabei weit mehr als eine Kulisse für studentische Arbeiten. Seine Architektur, seine Geschichte, seine Lage im Dortmunder Hafen und nicht zuletzt die Frage nach seiner zukünftigen Nutzung werden in zahlreichen Projekten unmittelbar zum Bestandteil der Ausstellung.

Die Studierenden nähern sich dem Begriff „Aufbruch“ aus sehr unterschiedlichen Richtungen. Mal persönlich und biografisch, mal gesellschaftlich oder politisch, mal über die Geschichte des Ortes. Andere Arbeiten beschäftigen sich mit Digitalisierung, Wahrnehmung, Natur, Fotografie oder der Frage, wie sich unsere Vorstellung von Wirklichkeit gerade verändert.

So entsteht keine Ausstellung, die eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Aufbruch geben möchte. Vielmehr wird das Hafenamt zu einem Parcours unterschiedlicher Perspektiven.

Zwischen Verheißung und Beobachtung: „Seepocken“

Gleich zu Beginn zeigt Cem Hamparoglu mit seiner Rauminstallation „Seepocken“, dass Aufbruch nicht zwangsläufig etwas Befreiendes sein muss.

Die Arbeit erzeugt ein Spannungsfeld zwischen visueller Verheißung und paranoider Überwachung. Verschachtelte Raumstrukturen lenken den Blick auf etwas scheinbar Vorhandenes, das sich letztlich als Illusion erweist. Gleichzeitig bleibt das Gefühl einer permanenten, kaum greifbaren Präsenz – einer Beobachtung, die sich nicht überprüfen lässt. Der Raum separiert sich dabei bewusst vom übrigen Gebäude. Es entsteht etwas Befremdliches und schwer Fassbares. „Seepocken“ wird damit zu einer Arbeit über das Erwarten selbst: über die Spannung zwischen dem, was wir vermuten, und dem, was tatsächlich vorhanden ist.

„Penti Menti“: Das Hafenamt als unfertiges Werk

Sehr unmittelbar mit der Zukunft des Gebäudes beschäftigen sich Luisa Saura Ortega und Pauline Weber in „Penti Menti“.

Der Titel verweist auf die sogenannten Pentimenti: sichtbar gebliebene Veränderungen und Korrekturen, die während der Entstehung eines Kunstwerks vorgenommen wurden. Genau dieses Prinzip übertragen die beiden auf das Alte Hafenamt. Das prägende Gebäude erscheint hier als ein noch nicht abgeschlossenes Objekt. Teile stehen leer oder sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch anstatt diesen Zustand nur zu dokumentieren, öffnet das Projekt einen Raum für Beteiligung.

Wie könnte das Hafenamt künftig genutzt werden? Wie können Orte entstehen, an denen Sicherheit, Verbindung und Austausch möglich sind – unabhängig von Einkommen oder Herkunft? „Penti Menti“ macht aus der Ausstellung damit einen Denkraum für eine mögliche Zukunft des Gebäudes und lädt die Besucher*innen ausdrücklich ein, diese Zukunft mitzuentwickeln.

„Knock Knock“: Wie sicher ist ein Zuhause?

Auf den ersten Blick scheint bei „Knock Knock“ von Vitaliya Dmitrushkova und Sophie Read alles vertraut: ein Wohnraum, Familienfotografien, persönliche Gegenstände und Spuren einer gewöhnlichen Familiengeschichte.

Im Mittelpunkt befindet sich jedoch eine verschlossene Tür. Was dahinter liegt, bleibt offen – und genau aus dieser Ungewissheit entwickelt die Installation ihre Spannung. Mit Szenografie, Fotografie, Licht und Sound untersuchen Dmitrushkova und Read die Fragilität von Sicherheit. Wie weit können gesellschaftliche Spannungen in unsere privaten Räume hineinreichen? Wann beginnt ein vermeintlich geschütztes Zuhause, seine Selbstverständlichkeit zu verlieren?

Das Vertraute bleibt sichtbar, bekommt aber einen beunruhigenden Unterton. Die Grenze zwischen Geborgenheit und Bedrohung beginnt zu verschwimmen.

„Die große Leckage“: Wenn das Wasser ins Hafenamt zurückkehrt

Besonders unmittelbar reagiert Vico Vincent Wiese mit „Die große Leckage“ auf den historischen Ausstellungsort.

Ausgangspunkt ist eine fiktive Vorstellung: Was wäre, wenn das Wasser des Hafens seinen Weg durch das massive Gestein des Alten Hafenamts finden würde? Das 1899 eröffnete Gebäude wird in der Installation symbolisch wieder mit dem Element verbunden, dem es seine Existenz verdankt. Allerdings strömt kein echtes Wasser durch die Räume. Stattdessen übernehmen Licht und digitale Projektionen dessen Rolle.

Die „Leckage“ wird zum Aufbruch in eine neue Ära. Die jahrzehntelange räumliche Trennung zwischen Baudenkmal und Hafenwasser wird medial aufgehoben. Historische industrielle Identität und digitale Erneuerung treffen aufeinander – passend zu einem Hafen, dessen Transformation heute längst auch unter dem Vorzeichen von „Ships & Chips“ stattfindet.

„Digital Nature“: Die Projektion eines Sommers

Mit „Digital Nature“ stellen Marlon Gramsch, Melvin Seiffert und Stefan Bosch die Frage nach unserem Verhältnis zu digital erzeugten Bildern und realen Erfahrungen.

Ein Schotterweg, sommerliches Laub und authentische Parkgeräusche treffen auf die Projektion eines Dortmunder Parks. Für einen Moment entsteht der Eindruck, man befände sich tatsächlich draußen in einer sommerlichen Landschaft. Doch die Illusion wird bewusst unterbrochen.

Die Installation erinnert daran, dass digitale Bilder Realität zwar immer überzeugender darstellen können, sie aber nicht ersetzen. Gerade in einer Gegenwart, in der ein erheblicher Teil unseres Alltags über Bildschirme vermittelt wird, bekommt diese scheinbar einfache Feststellung eine neue Bedeutung. „Digital Nature“ ist damit auch eine Einladung, die digitale Darstellung wieder mit der physischen Erfahrung abzugleichen – und den Bildschirm gelegentlich gegen die wirkliche Welt einzutauschen.

„Identität im Dazwischen“: Aufbruch als persönlicher Prozess

Einen sehr persönlichen Blick auf Veränderung entwickeln Nastaran Mortazavi, Amelie Mattern, Danilo Trifunovic und Sophia Nikolai mit „Identität im Dazwischen“.

Die Arbeit beginnt mit einem Gedanken, der den Begriff Aufbruch grundlegend erweitert: Wir verlassen nicht nur Orte. Manchmal verlassen wir auch frühere Versionen unserer selbst. Was geschieht mit Identität, wenn sich Sprache, Erinnerungen und Lebenswelten verändern?

Stimmen, Sprache und Fragmente persönlicher Erinnerungen verbinden sich zu einem atmosphärischen Raum. Identität erscheint hier nicht als festgeschriebene Größe, sondern als fortlaufender Prozess.

Besonders interessant ist dabei der Blick auf das „Dazwischen“. Es wird nicht als Verlust oder als Defizit verstanden, sondern als produktiver Raum des Werdens. Zwischen Vergangenheit und Zukunft entstehen neue Perspektiven – und neue Versionen unserer selbst.

„Camera Obscura“: Zurück zum Anfang des fotografischen Bildes

Florian Schlüter macht mit seiner „Camera Obscura“ einen der grundlegenden Prozesse der Fotografie körperlich erfahrbar.

Besucher*innen betreten eine raumfüllende Kamera. Licht fällt durch eine Linse und erzeugt im Inneren ein kopfstehendes und spiegelverkehrtes Abbild der Außenwelt. Das Prinzip der dunklen Kammer ist wesentlich älter als die Fotografie selbst und bildet bis heute die physikalische Grundlage der Kamera. Im Hafenamt wird aus diesem Prinzip jedoch keine theoretische Demonstration, sondern eine räumliche Erfahrung.

Die Besucher*innen können mit der Projektion interagieren und ihre Eindrücke zeichnerisch oder auf Fotopapier festhalten. Aufbruch bedeutet hier auch: Bekanntes wieder auf seinen Ursprung zurückzuführen und dadurch neu sehen zu lernen.

„8H Gegenwart“: Acht Stunden in einem Bild

Auch Annalena Joschko beschäftigt sich mit den Ursprüngen der Fotografie.

Ihr Projekt „8H Gegenwart“ nimmt Bezug auf Nicéphore Niépce und die vor rund 200 Jahren entstandene erste dauerhaft erhaltene Fotografie. Deren extrem lange Belichtungszeit wird zum Ausgangspunkt einer fotografischen Untersuchung der Gegenwart.

Joschko arbeitet mit mehrstündigen Langzeitbelichtungen und erforscht damit die Spuren, die Menschen an einem Ort hinterlassen. In den entstehenden Schwarzweißfotografien sind Menschen nicht mehr als klar definierte Figuren präsent. Sie werden zu schemenhaften Abdrücken innerhalb eines viel längeren Zeitraums. Zeit wird dadurch selbst zum fotografischen Material.

Die Arbeit richtet den Blick auf Bewegung, Verweilen und Erinnerung – auf Prozesse also, die einen Ort permanent verändern, normalerweise jedoch kaum sichtbar werden.

„Platz für Neues“: Dortmund im Strukturwandel

Von Kohle, Stahl und Bier zu einem deutlich diverseren Wirtschaftsstandort: Karsten Wickern beschäftigt sich in „Platz für Neues“ mit dem Strukturwandel Dortmunds.

Architekturaufnahmen von sechs Unternehmensgebäuden stehen stellvertretend für zentrale Branchen der heutigen Stadt. Fotografiert wurden sie sowohl vom Boden als auch aus der Luft. Präsentiert werden die Aufnahmen in einer modularen Stahlrahmenkonstruktion, wodurch aus den Fotografien eine räumliche Installation entsteht. Ein ergänzendes digitales Angebot stellt historischen Luftbildern die heutige Situation gegenüber und macht nachvollziehbar, wie stark sich einzelne Orte im Laufe der Zeit verändert haben.

Aufbruch wird hier nicht als einzelner Moment verstanden, sondern als langfristige Transformation einer ganzen Stadt.

„In’s Blaue“: Der Hafen als persönlicher Resonanzraum

Mit seinem Fotoessay „In’s Blaue“ bewegt sich Ravi Sejk intuitiv durch das Dortmunder Hafengebiet.

Scheinbar zufällige Erfahrungen, Begegnungen, Wahrnehmungen und Entdeckungen werden zu einer subjektiven Bildwelt. Unterschiedliche fotografische Stilmittel treffen dabei auf textliche Momentaufnahmen, die Sejk mit einer Schreibmaschine vor Ort im Stil des Conscious Writing entwickelt. Der Hafen wird so weder rein dokumentarisch noch ausschließlich architektonisch betrachtet.

Das sich verändernde Gebiet rund um das Hafenamt dient als Resonanzraum eines Aufbruchs, der gleichzeitig persönlich, räumlich und strukturell verstanden werden kann.

„Point of View“: Was ist eigentlich noch real?

Wie navigieren wir zwischen Realität, Zukunft und Fiktion, wenn Bilder immer einfacher erzeugt und verändert werden können? Mit dieser Frage beschäftigen sich Anne Hamburger, Vico Wiese und Lea Lanfermann in ihrer Rauminstallation „Point of View“.

Im Zentrum steht ein Leuchtturm – traditionell ein Symbol für Orientierung, Sicherheit und Kommunikation. Doch statt eindeutiger Orientierung produziert dieser Leuchtturm widersprüchliche Bilder. Sie lassen sich weder eindeutig der Gegenwart noch der Zukunft oder der Fiktion zuordnen. Gerade vor dem Hintergrund KI-generierter und digital manipulierter Bildwelten bekommt die Arbeit eine besondere Aktualität. Fotografie ist längst nicht mehr zwangsläufig die Dokumentation eines tatsächlich gesehenen Moments.

„Point of View“ übersetzt diese Unsicherheit in einen begehbaren Orientierungsraum. Die Besucher*innen müssen sich nicht nur räumlich, sondern auch zwischen unterschiedlichen Formen bildlicher Wirklichkeit positionieren.

„Vertigo / A Drowning“: Wenn sichere Häfen verschwinden

In „Vertigo / A Drowning“ beschäftigt sich Marina Päsler mit einem Aufbruch, der nicht freiwillig geschieht. Was bedeutet es, immer wieder aus vermeintlich sicheren Häfen gespült zu werden? Neu anzulegen und doch erneut von einem Sturm erreicht zu werden? Für ihre surrealistische Objekt- und Fotoinstallation untersucht Päsler das Gebäude des Hafenamts und verwandelt auffällige architektonische Elemente in Bestandteile eines neuen, fiktiven Raums. Die Installation fordert und überfordert bewusst die Sinne. Ihre experimentellen Fotografien untersuchen, wie ein permanenter Strom von Eindrücken sensible Menschen aus Gemeinschaftsräumen verdrängen kann und wie vermeintlich stabile Ankerpunkte durch ständige Veränderungen ihre Verlässlichkeit verlieren.

Der Hafen wird hier zur Metapher: für Schutz, Orientierung – und für deren Verlust.

„Denkmal drüber nach!“: Aufbruch bedeutet auch Aufarbeitung

Dass ein Aufbruch in die Zukunft nicht ohne einen Blick auf die Vergangenheit funktioniert, zeigt „Denkmal drüber nach!“ von Luis Felipe Düllberg, Luis Saura Ortega, Bäh Bizarr und Lennart Hilbring.

Die Arbeit beschäftigt sich mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Verbindungen nach Dortmund.

Bereits im Jahresbericht der Dortmunder Industrie- und Handelskammer von 1879 wurde der Wunsch nach deutschen Kolonien formuliert. Mit der Expansion des Deutschen Reichs gewann die koloniale Bewegung später auch in Dortmund an Bedeutung. In diesen historischen Zusammenhängen spielte auch das Dortmunder Hafenamt eine Rolle. Das Projekt belässt es jedoch nicht bei einer historischen Rückschau. Vielmehr richtet es Fragen an die Gegenwart: Was haben koloniale Strukturen mit unserem heutigen Leben zu tun? Wo profitieren wir noch immer von den Folgen kolonialer Ausbeutung? Wie sichtbar ist diese Geschichte? Und wer trägt Verantwortung für ihre Aufarbeitung?

Der Raum möchte keine einfache Antwort liefern. Schon der Titel formuliert vielmehr die Aufforderung, selbst weiterzudenken.

„Perspektiven.“: Gefundenes bekommt eine neue Bedeutung

Kathrin Komander, Joline Müller, Julia Wehner und Paula Grünhage arbeiten in „Perspektiven.“ mit Gegenständen, die im Hafenamt gefunden wurden.

Viele dieser Objekte hatten ursprünglich völlig andere Funktionen. Sie werden gesammelt, aus ihrem bisherigen Zusammenhang herausgelöst, neu angeordnet, betitelt oder künstlerisch verändert. Dadurch verschiebt sich ihre Bedeutung. Ein zunächst banaler Gegenstand kann plötzlich Fragen aufwerfen. Ein Objekt, das vorher übersehen wurde, wird zum Exponat. Entscheidend ist nicht nur, was wir betrachten, sondern in welchem Kontext wir es betrachten.

„Perspektiven.“ macht damit auf eine grundlegende Eigenschaft von Gestaltung und Ausstellung aufmerksam: Bedeutung steckt nicht unveränderlich in den Dingen. Sie entsteht auch durch unseren Blick auf sie.

„State InBetween“: Eine Ausstellung, die sich durch ihre Besucher*innen verändert

Bei „State InBetween“ von Alissa Quade, Fabienne Garbarczyk, Laura Leupold und Irem Keskin wird das Publikum selbst zum Teil der Installation.

Typografische Interventionen, Umfragen und gesammelte Beiträge beschäftigen sich mit Aufbruch als Übergang zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Wie erleben unterschiedliche Menschen Veränderung? Welche Erinnerungen verbinden sie mit einem Neuanfang? Welche Gedanken entstehen in jenem Moment, in dem das Alte bereits verlassen wurde, das Neue aber noch nicht vollständig erreicht ist?

Besucher*innen können eigene Erfahrungen und Gedanken hinterlassen. Damit bleibt die Installation nicht statisch: Sie verändert sich mit jedem Beitrag und sammelt während der Ausstellung immer weitere Perspektiven auf das Thema.

„Spuren.“: Die Geschichte steckt in den Dingen

Noch einmal arbeiten Kathrin Komander, Joline Müller, Julia Wehner und Paula Grünhage unmittelbar mit dem Gebäude selbst.

Für „Spuren.“ werden im Hafenamt gefundene, bewahrte oder wiederentdeckte Objekte mit historischen Fotografien, Karten, Zeichnungen und Büchern zusammengebracht. Sie erzählen von einem Gebäude, das über Jahrzehnte Arbeitsort, Verwaltungsraum und Bestandteil des Hafens war. Dabei geht es weniger darum, eine abgeschlossene historische Erzählung zu präsentieren. Vielmehr entsteht ein Sammelsurium vieler kleiner Geschichten.

Räume verändern sich. Funktionen verschwinden. Menschen kommen und gehen. Doch in Gegenständen, Dokumenten und scheinbar nebensächlichen Details bleiben Spuren zurück.

„Fragmente.“: Hinter Informationen stehen Lebenswege

Mit „Fragmente.“ greifen Kathrin Komander, Joline Müller, Julia Wehner und Paula Grünhage ein weiteres gesellschaftliches Thema auf: Migration.

Mehr als hundert Fakten zur Migration werden auf einzelne Blätter geschrieben und lose auf dem Boden des Raumes verteilt. Es entsteht bewusst kein geordnetes Archiv und keine lineare Chronologie. Informationen begegnen den Besucher*innen zufällig. Manche fallen unmittelbar ins Auge, andere werden übersehen – oder buchstäblich mit Füßen getreten. Gerade darin liegt die Aussage der Installation.

Welche Informationen nehmen wir wahr? Welche Geschichten erhalten Aufmerksamkeit? Und was geschieht, wenn abstrakte Zahlen und Fakten den Blick auf die Menschen dahinter verdecken? Aus den einzelnen Fragmenten ergibt sich erst in ihrer Gesamtheit ein größeres Bild. Gleichzeitig erinnert die Arbeit daran, dass hinter statistischen Angaben immer individuelle Biografien und menschliche Lebenswege stehen.

Ein Hafenamt voller unterschiedlicher Formen des Aufbruchs

Weitere aufgeführte Arbeiten tragen Titel wie „Achtsamkeit“, „Lichtbrechung“, „Container / Verlorene Dinge“, „Poster“ und „Risse im Wasser“ und erweitern den Parcours durch das historische Gebäude.

Gerade die Vielfalt der Projekte macht deutlich, wie unterschiedlich sich ein einziges Wort interpretieren lässt. Aufbruch kann räumliche Veränderung bedeuten. Er kann politisch oder gesellschaftlich sein. Er kann eine Stadt und ihre Architektur betreffen oder die eigene Biografie. Er kann Hoffnung erzeugen, aber ebenso Verunsicherung. Und manchmal beginnt ein Aufbruch schlicht damit, etwas, das längst vorhanden ist, aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Das Alte Hafenamt ist dafür ein bemerkenswert passender Ort. Denn während sich die Studierenden mit Übergängen, Erinnerung, Identität, Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzen, befindet sich auch das Gebäude selbst in einem solchen Zwischenzustand. Seine ursprüngliche Funktion gehört der Vergangenheit an, seine Geschichte ist weiterhin präsent – und gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Rolle dieser Ort künftig für Dortmund spielen könnte.

So wird das Hafenamt nicht lediglich zum Behälter für eine Ausstellung. Das Gebäude wird selbst zu einem Exponat, zu Material und Projektionsfläche.

AUFBRUCH als Einladung zum Weiterdenken

Die Ausstellung „AUFBRUCH. HAFENAMT. DORTMUND.“ wurde von Studierenden der Fachhochschule Dortmund aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Fotografie, Film sowie Objekt- und Raumdesign entwickelt.

ERÖFFNUNG

Die Eröffnung fand am 30. Juli 2026 im Alten Hafenamt Dortmund, Sunderweg 130, 44147 Dortmund, statt.

Tags des offenen Denkmals

Wer die Ausstellung zur Eröffnung verpasst hat, bekommt noch einmal Gelegenheit, die Arbeiten zu erleben: Am 12. und 13. September 2026 öffnet das Alte Hafenamt im Umfeld des Tags des offenen Denkmals erneut seine Türen.

Fotos: Serafin Palme
Kurs Leitung: Mar Atzin, Prof. Lars Harmsen, Prof. Oliver Langbein, Prof. Achim Mohné,

Fotos: Serafin Palme
Kurs Leitung: Mar Atzin, Prof. Lars Harmsen, Prof. Oliver Langbein, Prof. Achim Mohné.

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