admin1234
Tim Hanebeck

Wir überwachen uns gegenseitig. Das tun wir vermutlich schon immer. Doch durch den Einsatz von Überwachungskameras wird dieses Beobachten anonymisiert.

Bist du schon einmal an einer Kamera vorbeigelaufen und hast dich gefragt, wer wohl zuschaut?

Die Videoüberwachung ist in den letzten 5 Jahren stark angestiegen. Allein in Nordrhein-Westfalen verdoppelte sich die Anzahl an privaten Kameras von 2021 bis 2025 auf 2.169.

Das Projekt „admin1234“ beschäftigt sich mit den Gefühlen, die bei den Betrachtenden und Betrachteten entstehen, und was eigentlich geschieht, wenn die vermeintliche Kontrolle der Überwachungskameras entzogen wird.

Während der Recherche innerhalb des Kurses „GLITCH & ERROR“ stieß ich auf die Website „insecam.org“. Diese zeigte zu ihrer Veröffentlichung ungefiltert alle Kameras weltweit, die zu diesem Zeitpunkt mit dem Internet verbunden waren und dabei entweder kein Passwort oder die voreingestellten Passwörter, wie etwa „passwort123″ oder primär „admin1234″, nutzten.

Diese werden vom Hersteller voreingestellt und von vielen Menschen nicht geändert. Durch den Zugriff über die IP-Adressen konnte die Website ein Archiv aus Räumen auf der ganzen Welt erschaffen, die live festgehalten wurden.

Gärten, Straßen, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer. Alles wurde sichtbar, was von den Besitzer*innen ursprünglich für ihre eigene Sicherheit aufgestellt wurde. Der Drang nach Kontrolle führte so zu dem exakten Gegenteil.

Entweder wurde das Ändern der Passwörter oder die Kamera selbst vergessen. Diese laufen dann, ohne Verbindung zu einem Computer, nur durch die Verbindung zum Internet weiter. Die sogenannten „Digital Ghostships“ bleiben dann so lange zugänglich, bis der Strom abgeschaltet wird oder sie kaputtgehen.Nachdem der Ersteller der Website festgenommen wurde, wurden Änderungen vorgenommen und private Inhalte entfernt. Doch die Faszination mit den plötzlich öffentlich zugänglichen Räumen blieb. Die Website bleibt populär, soll dabei aus eigenen Angaben heraus zur Erinnerung des eigenen Datenschutzes dienen, doch bietet vor allem für Interessierte einen intimen Einblick in das Leben anderer, die davon nichts merken.

Ich fing an, mich selbst in diesen Räumen zu verlieren, diese zu dokumentieren, und merkte, wie auch bei mir eine Diskrepanz zwischen der Realität und diesen Räumen aufgebaut wurde. Durch die digitale, anonyme Wand erscheinen die Kameras surreal, nicht greifbar, und bleiben das, da man nie mit ihnen konfrontiert wird.

Hier greift das Projekt „admin1234″ ein. Es soll diese digitalisierten Räume wieder analog spürbar machen, wobei es ihren surrealen Aspekt beibehält und den Hang zum Voyeurismus verdeutlicht.

Ein zufällig ausgewählter Raum wird nahezu maßgetreu nachgebaut und so greifbar gemacht. Der Raum kann in jeder Umgebung aufgestellt werden. Digital verändert durch seinen Weg im Internet werden auch die Wände, Objekte und Grafiken verändert und verzerrt.

Eine Videoinstallation im Fenster des Raumes zeigt verschiedenste Kameras, die live auf der Welt sind. In Restaurants, Häusern oder Geschäften. Kurz sichtbar, aber nicht ganz da.

Durch ein Face-Tracking innerhalb des Raumes werden die Betrachteten erkannt und ihre Bewegungen innerhalb von TouchDesigner verarbeitet. Wenn diese blinzeln, zeigt der Bildschirm etwas anderes. Die baugleiche Überwachungskamera, die den ursprünglichen Raum filmt, filmt nun den Betrachtenden im nachgebauten Raum. Erst wenn er seine Augen wieder öffnet, erscheinen wieder die anderen Kameras.

So erschafft das Projekt eine Art Spiegelkabinett, was wie die Kameras selbst einen unendlichen Kreislauf aus digitalem und analogem Raum durchschreitet und Orientierungslosigkeit hinterlässt. Dieser Raum erschafft eine Brücke, die Digitalität physisch darstellt und sie doch wieder verschwimmen lässt.

Wer den Raum betritt, wird so mit der Neugier über die Privatleben anderer und dem eigenen Drang nach Kontrolle konfrontiert. Sowie damit, was passiert, wenn uns diese Kontrolle genommen wird.

Auf der Website zum Projekt kann der Raum an seinem jetzigen Standpunkt angesehen werden, sowie der Prozess detaillierter betrachtet werden.

Ein Projekt von Tim Hanebeck, Studiengang Fotografie / Seminar: Glitch & Error

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