In Minor Keys
Exkursion La Biennale di Venezia 2.-7.11.2026

Anbei ein paar Eindrücke der Exkursion zur 61. Kunstbiennale von Venedig. Ihre internationale Hauptausstellung trägt den Titel „In Minor Keys“ und geht auf die Kuratorin Koyo Kouoh zurück. Sie erstreckt sich über das Arsenale und den Zentralpavillon in den Giardini. Davon zu unterscheiden sind die eigenständig kuratierten Länderbeiträge, die ebenfalls an diesen Orten und im Stadtgebiet zu sehen sind.

Koyo Kouohs „In Minor Keys“ verbindet im Arsenale und im Zentralpavillon der Giardini Kunst, Erinnerung und gemeinschaftliche Praxis. Der Rücktritt der internationalen Jury hat zugleich die Frage nach dem Verhältnis von künstlerischer Freiheit, nationaler Repräsentation und politischer Verantwortung verschärft.

Kouoh starb am 10. Mai 2025 während der Vorbereitung. Die Biennale setzte ihr bereits entwickeltes Konzept mit Zustimmung ihrer Familie um. Die Realisierung übernahm das von ihr ausgewählte Team. Eingeladen sind 110 künstlerische Positionen, darunter Kollektive und Organisationen. „In Minor Keys“ richtet die Aufmerksamkeit auf Praktiken des Zuhörens, der Fürsorge und des gemeinsamen Lernens. Kouohs Ansatz verbindet ästhetische Erfahrung mit sozialen Beziehungen. Die Auswahl folgt Verbindungen zwischen künstlerischen Arbeitsweisen über geografische Grenzen hinweg. Leitmotive sind unter anderem gemeinschaftlich organisierte Lernorte, Prozessionen sowie Räume der Ruhe und Regeneration.

Zuerst besuchten wir Arsenale mit seiner lang gestreckten Hallenfolge. Am zweiten Tag dann Giardini. Im Zentralpavillon des Giardini bilden Würdigungen von Issa Samb und Beverly Buchanan wichtige Bezugspunkte. Beide stehen für künstlerische Praktiken, deren Bedeutung über das einzelne Ausstellungsobjekt hinausgeht. Sambs Arbeit ist eng mit Austausch und Performance verbunden; Buchanan beschäftigte sich mit Orten, Lebensbedingungen und gesellschaftlicher Erinnerung. Otobong Nkangas Installation „Soft Offerings to Silenced Voices and to All Who Have Turned to Dust“ bezieht die Säulen des Pavillons ein. Lokale Ziegel, Erde, Keramiktöpfe und Kletterpflanzen verbinden Architektur mit lebenden Materialien. So erhält das Verhältnis zwischen menschlichen Lebensräumen und ihrer Umwelt eine konkrete räumliche Form.

Die offene Ausstellungsstruktur wird in der Kritik unterschiedlich bewertet. Oft wurde kritisiert, dass der Verzicht auf klar abgegrenzte Themenbereiche besonders im weitläufigen Arsenale die Orientierung erschwere. Als Besucher werden wir mit folgender Frage konfrontiert: Wie lassen sich offene Beziehungen zwischen Werken erfahrbar machen und zugleich Unterschiede zwischen ihren jeweiligen Anliegen bewahren?

Bemerkenswert ist auch folgendes: am 30. April 2026 trat die internationale Jury geschlossen zurück. Die Jurorinnen kündigten an, Länder bei der Preisvergabe nicht zu berücksichtigen, deren politische Führung sich nach ihrer Formulierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof mit Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert sieht. Sie begründeten dies mit dem Schutz der Menschenrechte und dem Geist von Kouohs Projekt. Konkrete Länder nannte die Erklärung nicht. The Art Newspaper ordnete sie als auf Russland und Israel bezogen ein. Aus den kurzen offiziellen Erklärungen lässt sich jedoch kein vollständiger Ablauf der internen Auseinandersetzung rekonstruieren. Auch KUNSTFORUM International hielt am 1. Mai fest, dass unklar sei, ob die Jury aus eigener Entscheidung zurücktrat oder dazu aufgefordert wurde.

Nach dem Rücktritt kündigte die Biennale zwei „Visitors’ Lions“ an: für einen Beitrag der Hauptausstellung und für eine nationale Beteiligung. Abstimmen dürfen Ticketinhaber*innen, die sowohl die Giardini als auch das Arsenale besucht haben. Für den Preis der Länderbeiträge sind sämtliche offiziell zugelassenen nationalen Beteiligungen wählbar. Die Veranstalter begründen dies mit Offenheit und Gleichbehandlung. Die Verleihung ist für den 22. November vorgesehen.

Leitung: Prof. Lars Harmsen, Prof. Oliver Langbein. Gastdozent: Alexander Branczyk

.
ARSENALE
.

Fabian Meyer
Preisverleihung: 04.11. / 17:00 / Materna

sugarscroll

work

events

real love

lectures

voltaire

excursion

imprint & data security